Blauschmuck (2016)

Winkler Katharina

Filiz wächst in einem kurdischen Dorf in der Türkei auf. Sie ist zwölf, als sie sich in den um wenige Jahre älteren Yunus verliebt und mit ihm von einem gemeinsamen Leben im Westen träumt: »›Wie wollen wir leben, Yunus?‹ / ›In Jeans. Wir werden Jeanshosen tragen. In Deutschland.‹« Mit fünfzehn heiratet sie Yunus – heimlich und gegen den Willen ihres Vaters. Doch mit der Hochzeit platzen auch die Träume von Freiheit und Autonomie: Statt Jeans trägt Filiz jetzt Burka; gemeinsam mit den drei Kindern, die in dieser Ehe geboren werden, ist sie der körperlichen und seelischen Brutalität ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter ausgesetzt. Daran ändert auch die Emigration der Familie in den Westen nichts – vorerst. Denn nach einer neuerlichen Eskalation der Gewalt gelingt Filiz das vermeintlich Unmögliche: die Befreiung aus physischer und psychischer Abhängigkeit.

  • - Année de publication : 2016
  • - Pages : 196
  • - Éditeur : Suhrkamp
  • - Langue : Allemand

A propos de l'auteur :

Winkler Katharina :

Katharina Winkler, geboren 1979 in Wien, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft.
Blauschmuck ist ihr Debütroman. Die Autorin lebt in Berlin.

© Stefan Klüter

 

La maison d'édition :

Suhrkamp :

Der Suhrkamp Verlag verlegt keine Bücher, sondern Autoren – auf dieses verlegerische Prinzip lassen sich auch die programmatischen Leitgedanken zurückführen. Dieses Paradoxon verweist darauf, dass es dem Verlag nicht nur um das einzelne Buch geht, sondern um die literarische oder wissenschaftliche Gesamtphysiognomie seiner Autoren. Das Programm des Suhrkamp Verlags beruht…

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1 avis
11 Commentaires
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  • Schlosser
    19 janvier 2017

    Barbara: Das Verdienst der Autorin ist nicht nur, daß sie das Thema in seiner ganzen Tragweite (Integration!) aufgreift, sondern daß sie für diesen schweren Stoff voller Gewalt und Brutalität eine angemessene Sprache findet. Diese Sprache erklärt oder kommentiert nichts, sie benennt einfach unverblümt in lakonischer Direktheit das Geschehen, wobei, besonders im ersten Teil des Textes, noch bevor das ganze Ausmaß des Elends offenbar wird, hin und wieder Formulierungen und Bilder aufblühen wie kleine Felsenblumen. Aber dann, in einem unbarmherzig scharfen Licht, wird das Unsägliche des Erzählten so rücksichtslos ausgeleuchtet, daß man sich am liebsten die Augen zuhalten würde. Aber Filiz ist nicht nur Opfer ("Du schlägst mich tot, aber Du kommst mir nicht nah"): der Ariadne-Faden, an dem sie sich durch die Hölle tastet, ist ihre innere Kraft, und schließlich, nachdem Yunus sie wirklich fast totgeschlagen hat, findet sie Hilfe, richtet sich wieder auf (Phönix aus der Asche) und es gelingt ihr, sich ein eigenes Leben in Würde und Freiheit aufzubauen. Ein eindrucksvoller, starker Text, der uns - auch über das Schicksal von Filiz hinaus - einiges über die in ihrer Kultur typischen Reaktionsweisen zeigt und damit zu einem besseren Verständnis der Schwierigkeiten verhelfen kann, auf die wir bei dem Bemühen um eine gelungene Integration treffen.

    • Sylvie
      19 janvier 2017

      Sylvie: Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen, obwohl das Lesen mir schwer gefallen ist. Man wohnt Szenen bei, die man sich gar nicht vorstellen will, die Autorin zwingt uns aber dazu. Der Stil ist nüchtern und präzis. Die letzte Seite versöhnt einen mit dem Leben und man traut sich kaum darüber nachzudenken, dass sie für so viele andere Frauen fehlt.

  • Caroline P
    19 janvier 2017

    Das Buch ist ein Schlag in die Magengrube! Das Gewicht der Fakten. Die Wucht der Sprache. Mit kurzen, manchmal lakonischen Sätzen hämmert die Autorin dem Leser gleichsam die Situation und das Geschehen ein und findet immer wieder neue poetische Bilder und Metaphern, um die "Liebesgeschichte" von Filiz und Yunus zu erzählen - und den Adrenalinspiegel des Lesers in die Höhe zu treiben. Ein sehr gutes Buch, aber wie gesagt - ein Schlag in die Magengrube - und darum schwer zu verdauen.

  • J.C.M
    25 janvier 2017

    Attention ! Le livre n’est pas à mettre dans toutes les mains, ni à lire dans toutes les dispositions d’esprit. Seul le titre enjolive (ironie cruelle) la réalité monstrueuse qui est le sujet de ce qu’on a du mal à considérer comme un roman. L’auteure a-t-elle vécu ce que vit la narratrice ? Ou prête-t-elle plutôt sa plume à cette femme turque qui vit au quotidien, depuis son enfance, un chemin de croix fait d’aliénation, de brutalité, de violence, de peur, de tortures en tous genres. L’écriture (le déroulement chronologique n’empêche pas l’usage permanent du présent, comme naguère chez Kordic) donne une forme adéquate (littéraire ?) à cet enfer (dont on sort à la toute fin, grâce à l’intervention des services sociaux de l’Autriche). Mais malgré les respirations entre les brefs chapitres, la lecture est éprouvante, l’enfermement est total, et de plus en plus. Du coup, le lecteur se sent presque dans le même état d’enfermement, d’aliénation que la narratrice-héroïne, privé qu’il est de la liberté de dire le dégoût qu’il éprouve. L’Autriche apparaît en tout cas comme un lieu de rédemption, de liberté, de salut.

  • E.A
    25 janvier 2017

    Sujet terrible, mais écriture sobre et originale qui m'a permis d'aller jusqu'au bout quand même.

  • E.A
    25 janvier 2017

    Blauschmuck ist die euphemistisch anmutende Umschreibung für die blauen Flecken in verschiedenen Abheilungsstadien, die die Frauen in Katharina Winklers Buch "schmücken", und die ihnen zugefügt werden von prügelnden Ehemännern und Vätern. "Der Blauschmuck trägt die Handschrift der Männer. Das Werkzeug, Holz oder Eisen, und die Anzahl der Schläge bestimmen den Blauton" (S. 19) Die Autorin hat die (wahre) Geschichte von Filiz Lale, ihrem Ehemann Yunus und den gemeinsamen Kindern Halil, Selin und Seda aufgeschrieben. Filiz verbringt ihre Kindheit in einem kurdischen Dorf in der Türkei und wird früh mit der Gewalt des Vaters gegen die Mutter und auch gegen die Kinder konfrontiert. Sie ist ihr so selbstverständlich wie die Sonne am blauen Himmel. Die einzige Frau im Dorf ohne "Blauschmuck" wird mit Misstrauen betrachtet, sie gehört nicht dazu. Filiz weiß schon als Mädchen: "Wenn ich groß bin, werde ich eine blaue Frau." Sie geht zwei Stunden täglich den Weg zur Schule, ist intelligent. Der (mit dem Rohrstock ebenfalls prügelnde) Lehrer spricht eines Tages beim Vater vor und schlägt vor, dass Filiz auf die Schule in der Stadt gehen soll, er werde alle Kosten tragen. Der Vater lehnt kategorisch ab. Mit 15 heiratet Filiz gegen den Willen des Vaters den wenige Jahre älteren Yunus. Er wohnt bei seiner Mutter und Filiz ist nicht nur den physischen Brutalitäten und sexuellen Übergriffen des Mannes, sondern auch der psychischen Brutalität der Schwiegermutter ausgesetzt. Mehrfach bringt Yunus Filiz fast um. Ihr Martyrium geht über Jahre, unterbrochen von Abwesenheiten des Mannes. Die Übersiedelung nach Österreich bringt keine Verbesserung, kurze Phasen der Ruhe und ohne Schläge sind nur kleinere Auszeiten vom "wahren" Leben. Die Ich-Erzählung von Filiz endet mit einer brutalen Prügelszene, dann folgt ein anderthalb Seiten langer Epilog, in der die Fakten der weiteren, nun endlich positiveren Entwicklung zusammengefasst werden.— Die Sprache ist sehr reduziert, knapp, manchmal im Telegrammstil gehalten, oft fast emotionslos anmutend, nahezu "über"-sachlich. Einerseits vielleicht der Spiegel der Quasi-Selbstverständlichkeit, mit dem passiert, was passiert. Andererseits vielleicht auch die einzige Möglichkeit, die Ereignisse in ihrer überwältigenden Brutalität überhaupt in eine lesbare Form zu gießen. — Fazit: Harter Stoff, keine leichte Lektüre.

  • N.C.D
    25 janvier 2017

    Ich fasse Filiz' Liebesgeschichte zu Yunus, die in der Eskalation de Gewalt endet, nicht zusammen. Was mich an diesem Roman gefesselt hat, ist die Art, wie eine östereichische Journalistin sich die Ich-Form einer jungen Türkin aneignet, denn es handelt sich um einen Roman und nicht um eine Reportage. Die kurzen, einfachen Sätze klingen trotz der Brutalität poetisch. Es ist eine Stimme im fast allgemeinen Totschweigen der Situation. Es dauert sehr lange bis zur Befreiung, was durch die Trockenheit der Berichterstattung über den späteren Werdegang und über die gelungene Integration ihrer Kinder hervorragend betont wird ... was auch die Länge ihres Märtyriums betont. Hart aber echt und schön.

  • F.D
    26 janvier 2017

    Le contenu de ce livre est effarant d’obscurantisme où la bêtise rivalise avec la cruauté. Une gamine kurde de 15 ans (peut-être, elle ne sait pas exactement son âge) se marie – par amour ! – à un homme de quelques années plus âgé, pour qui elle est une esclave sexuelle, pour sa belle-mère une esclave domestique. Elle et ses enfants sont roués de coups, c’est le « Blauschmuck ». Leur départ pour l’Autriche, le pays des jeans et des baskets, a pour résultat qu’elle est sauvée de cet enfer, après une tentative de noyade suicidaire. Le récit à la 1ère personne est fait de très courts chapitres, de parataxes parfois poétiques. Ce ne serait pas un roman, mais plutôt un document ethnologique – car le fondement de l’histoire est véridique – sans cette narration à la fois simpliste et originale.

  • L.A.D
    26 janvier 2017

    Un livre fort et bouleversant dans une très belle écriture à la fois poétique, métaphorique et crue. A travers la parole de cette femme kurde Filiz, Katharina Winkler aborde la question de la violence faite aux femmes dans une société patriarcale. Le choix d’une mono-perspective narrative donne une grande densité au récit et contribue à montrer l‘enfermement progressif du personnage

  • E.B
    26 janvier 2017

    Tolles Buch, sehr traurige, wahre Geschichte, gut beschrieben. Der Schreibstil ist der Erzählerin und der Situation gut angepaßt und läßt den Leser mitfühlen.

  • E.P
    26 janvier 2017

    Ein beeindruckendes Buch über sinnlose Gewalt den Frauen gegenüber, nur, weil sie Frauen sind und man sich als Mann beweisen muss, dass man fähig ist, sie zu zerstören, ohne zu wissen, warum. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass die Geschichte gut ausgeht und die Frau in der Lage ist, sich aus dieser Gewalt zu befreien, hätte ich das Buch nicht lesen können. Und das ist , glaube ich, das Schlimmste, nämlich die Tatsache, das die Geschehnisse auf Tatsachen beruhen!